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Mögliches Aalentnahmeverbot und was dagegen spricht! (Nachricht 5/2010)

 

aal_2009_grossDer Aalrückgang in Europa ist massiv. Es besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die bisherige Entwicklung aufgehalten werden soll. Deutschland hat in den Ende 2008 der EU vorgelegten Vorschlägen für Aalschutzmaßnahmen von einer Einführung von massiven Beschränkungen der Aalangelfischerei sowie von einem generellen Aalentnahme und -vermarktungsverbot in Deutschland auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse Abstand genommen und alternative Maßnahmen vorgeschlagen.

Dem entgegen stehen nun aktuelle Berichte deutscher Medien, die sich – berufend auf Empfehlungen des Rats für Meeresforschung (ICES) in Kopenhagen – den Vorschlag eines Aalentnahmeverbots für deutsche Gewässer aufgegriffen und diskutiert haben. Der ökologische, soziale und wirtschaftliche Sinn eines solchen Verbots ist wissenschaftlich sehr fragwürdig.

Eine neue Studie in unserer Arbeitsgruppe am Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Kooperation mit der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Rostock zeigt wichtige Gesichtspunkte für die Angelfischerei auf. Auf Basis umfangreicher Befragungen der Anglerschaft in Mecklenburg-Vorpommern (M-V) fanden wir, dass Angler eine moderate Anhebung derzeitiger Aalentnahmebeschränkungen in starkem Maße befürworteten. Angler sind demnach mehrheitlich bereit, ihren eigenen Beitrag zum Aalbestandsschutz zu leisten. Das kann man auch in ökonomischen Kennzahlen ausdrücken. Würde man z. B. das Mindestmaß beim Aal von heute 45 auf 50 oder 55 cm anheben, würde sich das durch die nicht unerhebliche Reduzierung der Aalentnahme durch Angler nicht nur positiv auf den Aalbestand auswirken, sondern gleichzeitig würden ökonomische Wohlfahrtseffekte in mehrfacher Millionenhöhe ausgelöst werden. In einigen Anglerverbänden und Bundesländern wurde dieser Beitrag zum Aalschutz durch die Angler bereits aufgenommen und beschlossen, und unsere Studien bestätigen den Nutzen dieses Vorschlags wissenschaftlich. Würde man allerdings die Aalangelei durch Angelverbote beschränken, wie der Rat der Meeresforschung nun fordert, wären Wohlfahrtsverluste allein für die Anglerschaft in M-V in Höhe von mehreren Millionen Euro pro Jahr die Folge. Diese Konsequenzen sind zu berücksichtigen, wenn über die Zukunft des Aals und der Aalfischerei diskutiert wird, und können nicht einfach durch die Forderung eines allgemeinen Aalentnahmeverbots übergangen werden.

Die jetzt vorgelegten wissenschaftlichen Studien zeigen insgesamt eindeutig, dass Angler ihren Beitrag zum Aalbestandsschutz leisten wollen, aber sie können die Last verständlicherweise nicht alleine schultern. Aalmanagementpläne, die neben der Angelei auch eine gleichmäßige Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren auf den Aalbestand beinhalten, würden durch nahezu alle Angler unterstützt werden. Also einfach ausgedrückt: Ein klares „Ja“ für vernünftige und ausbalancierte Aalschutzprogramme, ein klares „Nein“ zur ausschließlichen Regulierung von Anglern (und Fischern)!
Wenn die „Aalschutzpolitiker“ der EU sich am Ende doch für ein Aalentnahmeverbot entscheiden, weil die Europäische Kommission die derzeit von den einzelnen Bundesländern in Deutschland vorgelegten Bewirtschaftungsmaßnahmen zum Aalschutz als unzureichend erachtet und schärfere Regularien fordert, dann ist eines wahrscheinlich: Der Aalbestandsrückgang wird trotzdem nicht substantiell aufgehalten, weil keine Studie bisher nachgewiesen hat, dass Angler und Fischer messbar am Aalrückgang beteiligt sind und weil der Aalbestandsrückgang nicht nur durch kontinentale Faktoren bedingt ist, sondern auch globale Ursachen eine wichtige Rolle spielen (denn auch die amerikanischen und japanischen Aale gehen rasant zurück). Außerdem werden enorme ökonomische Wohlfahrtsverluste in Millionenhöhe ausgelöst, die in Konflikten und Protesten sowie reduziertem Engagement der Anglerschaft für den Aalbestandsschutz selbst sowie in anderen zukünftigen Naturschutzaktivitäten münden werden. Für keinen Angler und Fischer ist es akzeptabel, dass die zu reduzierende Aalsterblichkeit ausschließlich zu Lasten der Fischer und Angler geht, während Turbinen weiter Aale zerhäckseln, die Industrie weiter die Flüsse verschmutzt, und auch der Kormoran fröhlich weiter auf Aaljagd geht.

Weitere Informationen und Downloads folgender Arbeiten sind verfügbar unter www.adaptfish.igb-berlin.de:

DOROW, M., B. BEARDMORE, W. HAIDER, R. ARLINGHAUS. 2010. Winners and losers of conservation policies for European eel (Anguilla anguilla L.): an economic welfare analysis for differently specialised anglers. Fisheries Management and Ecology, in press.

DOROW, M., B. BEARDMORE, W. HAIDER, R. ARLINGHAUS. 2009. Using a novel survey technique to predict fisheries stakeholders’ support for European eel (Anguilla anguilla L.) conservation programs. Biological Conservation, 142, 2973-2982.


Deutsprachige Kurzfassungen der oben genannten Arbeiten sind erschienen als

DOROW, M., B. BEARDMORE, W. HAIDER, R. ARLINGHAUS. 2009. Grad der Unterstützung für integrierte Managementpläne durch Angler in Mecklenburg-Vorpommern: ein Beitrag zur Umsetzung der EU-Aalverordnung. Fischerei & Fischmarkt in Mecklenburg-Vorpommern 9(4), S. 33-46.

DOROW, M., B. BEARDMORE, W. HAIDER, R. ARLINGHAUS. 2009. Gewinner und Verlierer geänderter Aalfangbestimmungen in Mecklenburg-Vorpommern – eine wohlfahrtsökonomische Analyse unter Berücksichtigung verschiedener Anglertypen. Fischerei & Fischmarkt in Mecklenburg-Vorpommern 9(3), S. 30-44.



Prof. Dr. Robert Arlinghaus
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Humboldt-Universität zu Berlin

Dipl. Biol. Malte Dorow
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei
Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei M-V, Institut für Fischerei

 
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