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Der Direktor des Instituts für Binnenfischerei Potsdam-Sacrow (IfB), Dr. Uwe Brämick (rechtes Foto, rechts), und Prof. Dr. Robert Arlinghaus (rechtes Foto, links) vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der Humboldt-Universität zu Berlin hatten am 5. November 2009 zu einer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung ins Institut für Binnenfischerei eingeladen. Hier suchte die deutsche Angelfischereiwissenschaft den direkten Kontakt zum Angler und zu anderen Interessierten, um ihre Forschungsarbeiten vorzustellen und mit den Gästen über die Ergebnisse zu diskutieren.
Breiten Raum nahmen Vorträge zum Fischbesatz ein und es zeigte sich, dass einige Referenten zu dem Schluss kamen, dass anglerisch bedeutsame Fische ihren Bestand unter Umständen selbst erhalten können, vorausgesetzt die Umweltbedingungen stimmen. Grundsätzlich wurden Besatzmaßnahmen nicht negativ bewertet, denn wie der Vortrag von Dr. Uwe Brämick zur „Angelfischereilichen Bewirtschaftung von Talsperren am Beispiel der Rurtalsperre“ aufzeigte, macht es manchmal Sinn helfend einzugreifen.
Der Vortrag von Dr. Jan Baer zur Frage „Lohnt sich Forellenbesatz in Fließgewässern?“ brachte weitere hochinteressante Ergebnisse. Er stellte dar, dass es in den untersuchten naturnahen Fließgewässerabschnitten wenig Sinn macht, zusätzlichen Bachforellenbesatz einzubringen, weil durch Besatz keine Erhöhung der Bestände zu Stande kommt und ein Besatz nur dort nützlich wäre, wo eine Eigenvermehrung der Bachforelle erschwert ist oder auf Grund gewässerbaulicher Maßnahmen wie z.B. durch Begradigung kaum noch Laichplätze vorhanden sind. In den naturnahen Gewässern waren die Besatzmaßnahmen nach einem Jahr nicht mehr zu spüren, d.h. es war weder eine Bestandsverbesserung eingetreten, noch konnten die Fänge gesteigert werden. Die Kosten für Besatz seien enorm, jedoch wären Verbesserungen für den einzelnen Angler nicht nachzuweisen.
Eine Ausnahme bei Besatz mit Bachforellen war der Besatz mit fangreifen Fischen in einem teilweise begradigten Gewässer mit geringem Bachforellenbestand. Hier war die Auswirkung für die Angler in Form erhöhter Erträge zwar sofort zu spüren, allerdings unter hohen Abwanderungsverlusten und weitreichenden Folgen für die angestammten Forellen. So wurden nur ca. 25 % der besetzten Fische wiedergefangen und kein Fisch blieb über den Winter hinweg im Gewässer. Auch führte dieser Besatz zu einer Steigerung der Angelaktivität, wodurch verstärkt angestammte, nicht besetzte „Wild-Forellen“ entnommen wurden. Diese Fische sollten eigentlich durch den Besatz mit fangreifen Fischen geschont werden. Der Verein entschloss sich daher, aufgrund der Kopplung „Besatz mit fangfähigen Fischen“ ist gleich „erhöhte Angelaktivität“ ist gleich „erhöhte Entnahme angestammter Fische“, den Besatz mit fangreifen Forellen einzustellen.
Im Folgenden referierte Katrin Daedlow über den „Umgang mit Fischbesatz in Angelvereinen in Deutschland“. Ein Thema, das im Anschluss an den Vortrag sehr stark diskutiert wurde, weil die Frage erörtert wurde, inwiefern regional von Angelverbänden oder lokal in Angelvereinen organisierte Fischbesatzmaßnahmen nachhaltiger seien. Allerdings hat Frau Daedlow lediglich die Entscheidungsstrukturen von Fischbesatzmaßnahmen in Deutschland untersucht und nicht die Frage der Nachhaltigkeit im biologisch-ökologischen Sinne erörtert.
Ein sehr interessanter Vortrag wurde von Thomas Klefoth zum „Einfluss des Fangen und Zurücksetzens auf Hechte“ gehalten. Die Ergebnisse waren durchaus überraschend. Alle Hechte haben den Fang und das Zurücksetzen unbeschadet überstanden, auch die, die zum Abhaken bis zu fünf Minuten an der Luft waren. Es war festzustellen, dass kein gefangener Hecht, der zurückgesetzt wurde, zu Grunde ging und sich alle gefangenen Fische spätestens nach sechs Stunden vom Stress völlig erholt hatten. Allerdings fanden Klefoth und Mitarbeiter geringe Wachstumseinbußen, die ggf. mit einer kurzfristig reduzierten Futteraufnahme und allgemein reduzierter Aktivität in einigen Tagen nach dem Fangvorgang erklärt werden können.
Prof. Dr. Robert Arlinghaus, der einen Großteil der vorgestellten Projekte zur Angelfischereiforschung betreute und managte, erläuterte den „Stand des Wissens zum Einfluss größenselektiver Angelfischerei auf Fischbestände“. Für die Angelfischerei kann davon ausgegangen werden, dass in vielen Fischbeständen die in der Regel größenselektive Entnahme von Fischen, die sich z.B. aus Mindestmaßregelungen ergibt, zu einer Verjüngung führt. Diese Verjüngung hat Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung der Fischbestände, die nicht immer positiv ist. Unter Umständen erscheint deshalb ein Umdenken in der Gestaltung von Schonmaß-Regelungen notwendig, es sind aber noch weitere Studien nötig.
Neben einem Vortrag von Malte Dorow, der „die Fischerträge in der Angelfischerei in Mecklenburg/Vorpommern“ untersuchte und dem Vortrag über die „Charakteristik der Angelfischerei in Brandenburg und Berlin“ von Erik Fladung zeigten die Untersuchungen des Bundesgeschäftsführers des DAV, Philipp Freudenberg, gemeinsam mit Prof. Dr. Robert Arlinghaus und Dr. Uwe Brämick über die „Bedeutung des Angelns für Menschen mit Behinderung“ viel Interessantes über die sozialen Aspekte des Angelns auf. Letztgenannte Studie wurde 2007 vom DAV in Auftrag gegeben. Sie kann [hier] als Broschüre heruntergeladen werden und ist auch als kostenloses Druckexemplar beim DAV oder IfB erhältlich.
Insgesamt war die Fortbildungsveranstaltung ein großer Erfolg. Diese Art von wissenschaftlicher Bearbeitung des Themas Angeln hat für alle Besucher viele interessante Neuigkeiten hervorgebracht. Wer sich weiter informieren will, kann sich z.B. auf der Internetseite des Adaptfish-Projektes verschiedene Veröffentlichungen und Vorträge der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Robert Arlinghaus anschauen. Viele der dort erläuterten Studien waren Bestandteil der Fortbildungsveranstaltung.
Ludwig Otto Referent für Öffentlichkeit des Landesanglerverbandes Brandenburg e.V.
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