Zukunftspapier
"DAV - mit 50 Jahren selbstbewusst und solidarisch in die Zukunft"
2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
2.1. Image des Angelns
2.2. Politik
2.3. Gesetzliche Bestimmungen
2.4. Verbündete
2.5. Verhältnis zum VDSF
Sie betreffen vorrangig das Image oder die Akzeptanz unseres Verständnisses über das Angeln in der Öffentlichkeit sowie bei den politischen Entscheidungsträgern und finden ihren Ausdruck in den vielfältigen gesetzlichen Bestimmungen. Beides ist noch nicht zufriedenstellend. Durch den Verband sind Mittel und Möglichkeiten zu entwickeln, alle grundsätzlichen Probleme, die die Angler betreffen, in der Öffentlichkeit unüberhörbar anzusprechen und zur Diskussion zu stellen, damit anstehende Probleme, wie die Erhaltung, Schaffung und Ausübung aller Formen des waidgerechten Angelns im Sinne der Angler und des DAV geklärt werden. Das liegt vornehmlich an uns selbst. Und wir müssen energischer darauf hinwirken, dass die gesetzlichen Bestimmungen übersichtlicher und einheitlicher werden. In diesem Sinne sollten wir uns auch als außerparlamentarische Kraft verstehen, die bis in die Europäische Union vernehmbar ist.
2.1. Image des Angelns
Das Image des Angelns ist zumindest in unserem Land immer noch geprägt von vielen Vorurteilen bzw. von Halbwissen. Das mag historische Gründe haben. Während die Jagd früher ein Privileg der Herrschenden, eher "ein fürstlich Vergnügen" war, blieb für den "kleinen Mann" das Angeln eher ein zusätzlicher Nahrungserwerb als Lust am Fang. Daher war das Image des Angelns immer mit dem Geruch der Bedürftigkeit der armen Leute und ihres gesamten Umfeldes behaftet. Dies ist bis heute noch nicht völlig überwunden. Es ist kein Zufall, dass es viele Lieder bzw. Kunstwerke über das Jagen gibt, hingegen vergleichsweise wenige über das Angeln.
Es ist ebenso kein Zufall, dass wir hier in Deutschland lange suchen müssen, um ein aktuelles Zitat eines einflussreichen Politikers über den gesellschaftlichen Nutzen des Angelns zu finden. Außerdem sind wir gerade in unserem Land heftigen und unsachlichen, aber eben auch nicht wirkungslosen Angriffen von grünen Fundamentalisten und fanatischen Tierschützern ausgesetzt. Dagegen müssen wir uns je nach Situation wehren. Die beste Abwehr dieser Angriffe besteht im kontinuierlichen Nachweis, was wir für die Natur und für das Wirbeltier Fisch tun und weniger in aufwendiger Polemik.
Das Image des Angelns können aber nur wir Angler selbst Schritt für Schritt ändern - so, wie wir uns selbst gern sehen und wie wir auch von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden wollen - als moderne freizeitliche Aqua-Bauern aus allen Schichten der Bevölkerung, die Fische mit gleicher Freude fangen wie sie die Fische selbst sowie ihren Lebensraum hegen und pflegen - also Natur- und Tierschützer sind.
Das ist und bleibt gerade in unserem Land künftig auch angesichts einer nicht mehr zu überblickenden Flut von öffentlichen Informationen wahrscheinlich die größte Herausforderung bzw. die schwierigste Aufgabe der Interessenvertretung unserer Mitglieder. Hier nachzulassen, stellt alles in Frage, was wir speziell in den letzten Jahren seit der Neukonstituierung erreicht haben. Hinzu kommt, dass wir es z. T. mit widerstreitenden Ansichten anderer Anglervertreter zu tun haben. Deshalb gibt es für eine professionelle dialogorientierte Öffentlichkeitsarbeit keine Alternative!
Die Wirkung strategischer Öffentlichkeitsarbeit und damit auch der Nachweis des zielgerichteten ergebnisorientierten Einsatzes vor allem der dafür benötigten erheblichen finanziellen Mittel lässt sich nicht schnell und wenn überhaupt nur mit großem Aufwand über einen längeren Zeitraum quantifizierbar messen, weil es sich immer um Bewusstseinsprozesse handelt, die eben auch allen anderen und viel stärkeren, vor allem medialen Einflüssen ausgesetzt sind, von denen unsere Botschaften nur einen winzigen Teil ausmachen.
Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass man darauf verzichten kann, führt über kurz oder lang dazu, an den Rand der Gesellschaft gedrängt zu werden. Im Gegenteil, wir müssen an das öffentliche Gesamtinteresse - gesunde Lebensweise, interessante Freizeitangebote mit sportlicher Betätigung, sinnvolle Beschäftigung für Kinder- und Jugendliche, Natur- und Tierschutz, solidarisches Handeln u. a. - anknüpfen und daran gekoppelt unsere Botschaften und damit spezifischen Interessen deutlich machen - über die Medien, durch Messen, durch Verhalten am Gewässer usw. Dann werden wir auch Wirkung erzielen, zwar nicht permanent, aber doch in regelmäßigen Abständen kontinuierlich. Insofern ist die Öffentlichkeit mit dem Angeln selbst zu vergleichen. Es braucht viel Einsatz im Vorfeld und guter Ideen, um einen Biss (Aufmerksamkeit) oder gar einen guten Fang (öffentliche Wahrnehmung) zu landen.
Es ist unbestritten, dass uns in den letzten Jahren mehrere gute Fänge gelungen sind.
Während die klassischen Methoden der Öffentlichkeitsarbeit (Medienarbeit, Messen/Ausstellungen, Publikationen, Aktionen wie Flusslandschaft, Stammtisch, sportliche Veranstaltungen u. a.) nicht weiter quantitativ, sondern nur qualitativ ausbaufähig sind, steht das Internet mit seinem Potential immer noch am Anfang.
Erstens sind seine Potenzen nicht ausgeschöpft, zweitens erlaubt es mehr als alle anderen Methoden (mit Ausnahme kurzfristig bei Messen/Ausstellungen) einen direkten zielgruppenorientierten Dialog mit den Nutzern und kann drittens topaktuell reagieren. Viertens schließlich ist hier mit relativ geringem Ressourceneinsatz ein hohes Maß an Wirkung vor allem bei der heranwachsenden Generation zu erreichen. Quantitativ und qualitativ sind hier noch Welten offen. Eine moderne Internetpräsentation ist in Zukunft die Visitenkarte eines modernen Verbandes und entscheidet maßgeblich sein Gesamt-Image.
Nachdem der DAV hier bereits sehr gute Vorarbeit geleistet hat, müssen wir dieser Aussage Rechnung tragen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass der DAV finanziell und personell nicht in der Lage ist und auch in den nächsten Jahren nicht sein wird, eine Gesamtmitgliederzeitschrift nach heute notwendigem Standard herauszugeben. Den entsprechenden Gedankenspielen, basierend auf einem bereits existierenden Anglermagazin eine Mantelzeitschrift zu entwickeln, sind die LV nicht mit großer Bereitschaft begegnet, denn sie hätten ihre guten Mitgliederzeitschriften in eine solche DAV-Zeitung einfließen lassen müssen.
Wenn die Potentiale des Internets richtig genutzt werden, ist das auch in Zukunft nicht mehr notwendig, vorausgesetzt, die Zeitschriften bzw. Infomaterialien in den Ländern (vor allem Brandenburg, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt) erscheinen so weiter.
Der DAV wird nach und nach seine Internetpräsenz erweitern und über Anmeldeebenen abgesichert unterschiedliche Informationsstufen anbieten. Das bedeutet allerdings mittelfristig einen Arbeitsaufwand, von dem schon jetzt absehbar ist, dass der Bundesgeschäftsführer diese Arbeit rein zeitlich nicht mehr bewältigen kann.
Die bewährte Bandbreite von der Pressemeldung über Messebeteiligung bis zu Broschüren und Aktionen muss weiterhin als klassisches Mittel der Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden. Entscheidend ist und bleibt die kontinuierliche Versorgung der Fach- und der allgemeinen Öffentlichkeit mit unseren Botschaften. Und je nach Situation und Notwendigkeit muss diese kontinuierliche Arbeit durch ein öffentlichkeitswirksames Ereignis ergänzt werden, d. h. ein Ereignis, das sich deutlich vom Inhalt und von der Intensität von der Alltagsöffentlichkeit abhebt, wie Stammtisch, Proklamation der Flusslandschaft, Pressekonferenz zu einem wichtigen Thema u. a. Hier sind der Kreativität nach wie vor keine Grenzen gesetzt.
2.2. Politik
Ehrenamt, Gemeinsinn, Unvoreingenommenheit, Hilfsbereitschaft - all diese Tugenden sind Grundwerte der Arbeit in unserem Verband. Damit bestätigt sich der DAV als Vermittler gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Das beinhaltet zugleich, dass wir Wege finden müssen, dass die Bundesregierung regelmäßig, planmäßig mit dem DAV Kontakt hält und zusammenarbeitet. Und das sollten wir gemeinsam mit unseren Verbündeten laut fordern. Unsere Positionspapiere bieten dafür die geeignete Grundlage. Der Staat braucht die Angler, er braucht den DAV und seine Philosophie.
In den Bundesländern gibt es bereits Mechanismen, wie den Fischerei-, den Naturschutzbeirat u. a. Für den Bundesverband existiert derzeit kein derartiger ständiger Konsultationspartner in den zuständigen Ministerien. Dabei geht es nicht darum, dort sofort dieses oder jenes durchzusetzen, sondern darum, dass wir als Bundesverband entsprechend auf Probleme in den Bundesministerien aufmerksam machen, die sonst dort keine Beachtung finden. Wir können beraten, vorschlagen, wir können auch warnen, weil wir eben eng mit der Natur verbunden sind. Hier geht es um strategische Probleme eines vernünftigen nachhaltigen Umgangs mit der Natur, speziell mit den Gewässern.
Angestrebt wird die Bildung einer Expertengruppe aus Landwirtschaftsministerium, Umweltministerium, den Fischerei- und Angelverbänden, um vorausschauend Probleme zu erkennen und Lösungen zu erörtern. Ebenso ist an die Etablierung eines "Wis-senschaftsrates" zu denken, der eben schnell auf bestimmte Entwicklungen reagiert und so die notwendige wissenschaftliche Untermauerung und Lenkung des Angelns absichert.
Es ist an der Zeit, dass grundsätzliche Probleme der Fischerei und damit auch der An-gelfischerei auf Bundesebene besprochen werden. Die entsprechenden Vorarbeiten sind durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Vorsitzenden des Agraraus-schusses des Bundestages zu leisten.
Wir vertreten die Auffassung, dass die Bedeutung der Angelfischerei zum Erlangen des hochwertigen Nahrungsmittels Fisch wächst und durch bestimmte Krisen auf dem sonstigen Ernährungsmarkt einen zusätzlichen Schub erfahren hat, der offensichtlich noch anhält. Wir haben also allen Grund, unsere Interessen mit Selbstbewusstsein zu vertreten und von der Politik mehr Unterstützung einzufordern.
Zugleich ergeben sich neue Fragen, denen wir uns stellen sollten:
Wie erreichen wir die nicht organisierten Angler? Damit ist in diesem Zusammen-hang nicht vordergründig gemeint, sie als Mitglieder zu werben. Gemeint ist, wie wir es erreichen, dass auch sie sich beispielsweise der Ethik der organisierten Angler verpflichtet fühlen und so ihren Beitrag zu einem guten Image des Angelns leisten. Wie also erreichen wir die Urlaubsangler, die ohne Fischereischeinprüfung insbesondere im Ausland angeln? Denn hier geht es ganz besonders um waidgerechtes Verhalten, egal, ob der Fisch im Norwegenfjord oder im Nord-Ostsee-Kanal geangelt wird. Auch diese Frage müssen in erster Linie wir beantworten, müssen dazu Vorschläge unterbreiten, auch wenn wir sie nicht alleine realisieren können.
Die Verantwortung unseres Verbandes hat also viel mehr gesamtgesellschaftliche Bedeutung als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Sie hört nicht bei unseren eigenen Mitgliedern auf. Verbandsinteressen vertreten ja, Verbandsegoismus aber nein. Das müssen wir der Politik besser deutlich machen.
Es kann nämlich nicht im Interesse unseres Landes liegen, wenn immer mehr Angler (ca. 2 Millionen) wegen ungünstiger Rahmenbedingungen "ins Ausland abwandern", um ihrem Hobby nachzugehen. Dadurch werden enorme Möglichkeiten zur Stärkung der Wirtschaft im Inland verschenkt.
Die sozio-ökonomische Bedeutung des Angelns ist der Politik noch nicht hinreichend bewusst. Jetzt und in Zukunft, da sich alle Innenpolitik um die Bewältigung der Arbeitslosigkeit und die Verbesserung des Standortes Deutschland dreht, haben wir gute Chancen, darauf aufmerksam zu machen und exakt nachzuweisen, was die Angelfischerei zur Erhaltung und dem Ausbau von Arbeitsplätzen tut und was passieren würde, wenn sich die Rahmenbedingungen für das Angeln verschlechtern bzw. verbessern.
Die Politik benötigt kein zusätzliches Geld, sondern nur Verständnis und guten Willen, um die Rahmenbedingungen für das Angeln zu verbessern. Der gemeinsame Gewinn für Arbeitsplätze und den Standort Deutschland liegt auf der Hand und fällt der Politik kostenlos in den Schoß. Sie wäre vernagelt, das nicht einzusehen bzw. unser Dialogangebot nicht anzunehmen. Es geht um exakte Zahlen, wie viele Arbeitsplätze wir an uns binden. Wir benötigen ebenso hieb- und stichfeste Zahlen der Angelgeräteindustrie, der -medien und des -tourismus.
Natürlich geht es bei all diesen Überlegungen auch um konkrete Maßnahmen im DAV und seinen Mitgliedsverbänden, die aufgezeigten neuen und bereits bekannten Schwerpunkte im Rahmen der engen finanziellen und personellen Grenzen zu bewältigen. Bereits heute sind uns Beispiele bekannt, wo die Verbände und Vereine Arbeitskräfte für ausgewählte Maßnahmen auf Vermittlung der Arbeitsämter eingestellt haben. Die Schaffung materieller Werte umfasst ja nicht nur die Gewässerbewirtschaftung, Renaturierung und den Naturschutz. Zahlreiche Grundstücke und Vereinsheime werden erhalten. Sie sind weit mehr als nur Stätten von Anglerversammlungen. Sie sind spezifische soziokulturelle Begegnungsstätten vor allem für Angler, aber auch für deren Familien, für Bürgerinnen und Bürger z. B. bei Anglerfesten. Angler leisten damit einen Beitrag zur Belebung der gesellschaftlichen Kommunikation.
Die Politik hat uns eine Reihe von Instrumenten in die Hand gegeben, die Arbeit im Verband auf breitere Schultern zu verteilen und so das Ehren- und Hauptamt zu entlasten. Erinnert sei hier nur an die 400 Euro-Minijobs bzw. deren für die Vereine und Verbände sowie die Arbeitnehmer bessere Variante der Minijobs in der 400,01 bis 800 Euro-"Gleitzone". Diese Rahmenbedingungen haben wir unter dem Beachten der finanziellen Ressourcen zum Vorteil des Verbandes zu nutzen.
2.3. Gesetzliche Bestimmungen
In der Fischereigesetzgebung kennen wir alle die unbefriedigende, weil rational nicht nachvollziehbare Situation unterschiedlicher Bestimmungen bei nicht erkennbaren unterschiedlichen Voraussetzungen. Es würde auch dem Föderalismus gut tun, wenn die Fischereigesetzgebung der Länder dort angeglichen wird, wo sich die Länder nicht voneinander unterscheiden und dort unterschiedlich bleibt, wo Unterschiede (aquatische Lebensräume u. a. m.) offensichtlich sind.
Dies ist nur in enger Gemeinschaftsarbeit mit den Landesverbänden und in Kooperation mit dem Bund und den Ländern zu bewältigen. Appelle an die Gesetzgeber führten zwar in der Vergangenheit zu einzelnen Korrekturen (Brandenburg, Sachsen), lösen aber das Problem nicht generell.
Der DAV muss selbst entsprechende Vorschläge (Arbeitsgruppe) ausarbeiten und als Positions- bzw. Diskussionspapier anbieten. Als Weg ist beispielsweise eine Bundesratsinitiative eines Landes denkbar. Hier sind besonders alle gefordert, die mit der Rechtsvertretung des Dach- und der Landesverbände beauftragt sind.
Prinzip sollte sein, alle aus unserer Sicht günstigen Regelungen (selbständiges Angeln für Kinder ab 8 Jahren in Brandenburg, Mitgliedschaft in einem Angelverein bei Erteilung eines Jugendfischereischeines in Berlin, Fischereischein für Urlauber, Angeln für Ausländer in Schleswig-Holstein) für alle Bundesländer vorzuschlagen. Dieses ganze Prozedere wird Jahre in Anspruch nehmen, aber wir sollten hier offensiv agieren. Denn Nutznießer soll letztendlich der Angler sein, dem dann zuzumuten ist, sich über die (nicht mehr so vielen) unterschiedlichen Bestimmungen zu informieren.
Dadurch wird auch die Fischereiaufsicht effektiver und durchschlagkräftiger. Sie könnte sich viel mehr auf Vorbeugung und Erziehung konzentrieren als auf Abstrafungen. Ein relativ einheitlicher Katalog von Reaktionen auf Verletzungen gesetzlicher Bestimmungen wäre dann machbar. Dies aber auf Bundesebene.
Mit Schwarzangelei zum Beispiel haben alle Länder zu tun, der Hinweis auf das StGB als ausreichende Gemeinsamkeit allein reicht nicht aus, jedenfalls nicht für uns. Hier bieten sich Überlegungen an, weiterzudenken als bisher. Die Öffentlichkeit, der Spaziergänger am Gewässerufer kann nicht unterscheiden, ob beispielsweise ein dreckiger Angelplatz von einem organisierten oder nicht organisierten Angler oder gar Schwarzangler hinterlassen wurde. Aber die dann berechtigten negativen Schlussfolgerungen und Wertungen treffen in erster Linie die organisierten Angler und damit uns als Verband. Logisch, denn man kennt uns als Ansprechpartner. Wo sonst soll man sich hinwenden? Und wir können und wollen dem nicht ausweichen. Hier brauchen wir mehr als sonst die Fachmedien, aber auch die Politik, um die nicht organisierten Angler zu erreichen und die Schwarzangelei zu bekämpfen.
Wir als Angler müssen deutlicher artikulieren, dass wir selbst kein Verständnis für die Schwarzangelei aufbringen und daher zu den ersten zählen, die an der Bekämpfung mitwirken. Wir sollten deshalb staatlich sanktioniert eine verbandliche Gewässeraufsicht einführen. Die Justiz allein ist hier überfordert und die Fischereiaufsicht allein kann es so, wie sie jetzt organisiert ist, auch nicht schaffen. Abgesehen davon, dass das wiederum von Land zu Land und sogar innerhalb der Länder unterschiedlich gehandhabt wird. Welche Vorschläge also haben wir? Auch wenn es Jahre dauern sollte, hier einiges zu bewegen, das darf uns nicht abhalten, immer wieder nachzustoßen. Außerdem hülfe dies letztendlich auch, die Rechtsprechung zu erleichtern.
Unter dem Eindruck des Hochwassers, der Wasserrahmenrichtlinie der EU u. a. sowie angesichts der Tatsache, dass wir unsere Fachkompetenz einbringen wollen, ist erneut vorurteilsfrei mit Abwägung aller Vor- und Nachteile zu überlegen, ob wir uns als DAV um die Zuerkennung des §59 Naturschutzgesetz bemühen sollten. Wenn wir dabei jedoch zu dem Schluss kommen, dass sich der DAV zentral nicht um die Zuer-kennung bemüht, dann sollten die Landesverbände in jedem Fall diese Zuerkennung anstreben. Nur dann wäre es möglich, flächendeckend basisorientiert auf alle Interessenkonflikte einzugehen. In diesem Fall obliegt dem Dachverband die Rolle des Koor-dinators.
Die EU-Erweiterung schreitet fort. Die Angelmöglichkeiten und -philosophien verbreitern sich damit. Das ist aber auch und zugleich ein Argument mehr für die Verein-heitlichung und Entzerrung der deutschen Fischereigesetzgebung. Die Niederlassungsfreiheit der EU-Bürger trägt ihr übriges dazu bei, dass die Politik endlich reagieren muss. Wir im DAV nehmen den Europagedanken nämlich ernst.
2.4. Verbündete
Hier sind unserem Verband in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gelungen. Die Verbündeten sind für uns wie wir für sie Klammern, die uns fester in die Gesamtgesellschaft einbinden und uns so stärker machen.
Unsere wichtigsten Verbündeten sind die Fischer. Der DAV ist seit 2001 Mitglied im Deutschen Fischerei-Verband. Wenn wir hier gestaltend oder prägend in der Zukunft wirken wollen, dann muss künftig der Vizepräsident für Gewässer und Naturschutz speziell mit dieser Aufgabe betraut werden. Die augenblickliche Situation in diesem Verband ist für uns Verpflichtung, unsere ganze Kompetenz und volles Engagement einzubringen.
Die Fischer sind allgemein einem immer größeren kommerziellen Druck ausgesetzt. Wir als Angler unterliegen nicht den Marktgesetzen und haben ein Interesse, dass dieser Berufsstand nicht ausstirbt. Über eine konkrete Zusammenarbeit sind die angehäuften Vorbehalte gegen uns auszuräumen. Deshalb müssen wir in diesem Sinne unseren Einfluss auf Bundes- und Länderebene geltend machen und mit den Fischern ökono-misch untersetzte Vereinbarungen treffen, die zugleich einen sinnvollen Satzfischbezug jeweils aus dem Wassereinzugsgebiet sichern. Hier sind aber die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, hier ist auch Kreativität gefragt, denn hier betreten wir Neu-land, hier können wir voneinander lernen.
Ebenso wie bei den Fischern beschreiten wir in der Zusammenarbeit mit den Natur- und Umweltverbänden Neuland. Bewährte Formen sind zu pflegen bzw. auszubauen. Hier seien nur die NaturFreunde Deutschlands und die Aktion "Flusslandschaft des Jahres" genannt. Der Beirat für Gewässerökologie hat sich bewährt. Seine Möglichkei-ten als Expertengremium sind sicher noch nicht ausgeschöpft. Hier bleiben wir weiter aktiv.
Die Mitgliedschaft im Kuratorium Sport und Natur sowie im Forum Natur hat sich bewährt, die hiermit verbundenen Möglichkeiten sind eine Reserve und können bei Bedarf eingesetzt werden.
Die Bemühungen zur Zusammenarbeit mit dem Bauernverband und dem Jagdschutzverband sind fortzusetzen. Ziel ist es auch hier, die Kooperationsbeziehungen vertraglich abzusichern.
Angesichts der ungebrochen vielen Erfolge unserer Castingsportler und den sich national und international abzeichnenden Änderungen im Denken der Sportfunktionäre ist erneut und vorurteilsfrei abzuwägen, ob der Bundesverband die Mitgliedschaft im Deutschen Sportbund anstreben soll, damit ggf. der Weg für unsere Sportler zu ihrer völligen Anerkennung abgekürzt und geebnet wird.
Die Verbindung zur Angelgeräteindustrie sollten wir in erster Linie politisch begründen und nicht vordergründig ökonomisch als Sponsoren. Dennoch steht aber unumstößlich fest, dass letztendlich die Industrie von uns Anglern lebt und sich mit uns arrangieren muss. Die Art und Weise der Zusammenarbeit ist bis jetzt immer noch mehr sporadisch und zufällig. Wir müssen zu überschaubaren Vereinbarungen kommen, die beiden Partnern einen Vorteil gewähren.
Die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Diese Aussage hat zwei Seiten:
Zum einen ist es ja unbestritten, dass wir die Wissenschaft brauchen wie der Fisch das Wasser. Das ist auch in der heutigen Zeit und angesichts der Bedeutung des DAV als Naturschutz-Verband und den damit zusammenhängenden zum Teil kontrovers geführten gesellschaftlichen Debatten ganz normal. Wir brauchen die Wissenschaft, um sachlich und kompetent argumentieren und um Konflikte zivilisiert austragen zu können - ohne Unterstellungen, ohne Verdächtigungen, sondern partnerschaftlich auf gleicher Augenhöhe. Das ist angesichts häufig emotional und "unfair" geführter De-batten essentiell für eine gesamtgesellschaftliche Konsensfindung.
Zum anderen jedoch - und das ist für uns eine außerordentlich wichtige Erfahrung und Herausforderung der letzten Jahre - haben wir auch als Verband die Pflicht, nicht nur von der Wissenschaft zu nehmen, sondern ihr und damit der Gesellschaft auch etwas zu geben.
Mit anderen Worten, wir selbst sehen uns in der Pflicht, beispielsweise im Ergebnis unserer Umfragen auf der Grünen Woche oder mit anderen Beiträgen und Veröffentlichungen auf FAO-Tagungen usw. eigene Ergebnisse vorzulegen. Das alles hat die Aufgabe, die wissenschaftliche, aber auch die innerverbandliche und gleichermaßen die allgemeine öffentliche Debatte zu intensivieren und zu ergänzen. Wenn wir dabei sicher erst am Anfang stehen, so sind wir doch auch stolz auf die Ergebnisse, die wir bisher auf diesem Weg vorzuweisen haben.
Selbstverständlich tun wir das nicht mit dem Anspruch, den Wissenschaftlern Konkur-renz zu machen. Aber wir tun es mit dem Anspruch, sie anzuregen und so mit ihrer Hilfe das gesellschaftliche Ansehen der Angelfischerei und damit auch des DAV, seine gesellschaftliche Akzeptanz national und international zu verbreitern und auch zu vertiefen.
Diese Gedanken beinhalten aber zugleich, dass wir als Verband verstärkt wissenschaftliche Arbeiten initiieren und fördern sollten, was z. T. durch Fördergelder und
-preise bereits geschieht.
Angeln findet in der Kunst unterschiedliche Darstellungsformen. Dennoch ist es als künstlerisches Objekt noch zu wenig vertreten. Wir können das durch eine Partnerschaft mit Künstlern ändern. Wir haben in unserem Ehrenkodex festgestellt: "Angeln stellt uraltes Gemeingut der Menschheit dar und ist zugleich kulturelle Tradition, die gepflegt und weiterentwickelt werden muss." Deshalb ist die Angelfischerei seit jeher auch ein Gegenstand vielfältigster künstlerischer Auseinandersetzung und Darstellung. Es ist daher nur folgerichtig, dass sich der DAV verpflichtet fühlt, eng mit Künstlern zusammenzuarbeiten.
Die Sicht der Künstler auf das Angeln und ihre Kreativität bei der Darstellung helfen uns bei der Entwicklung zum modernen Verband, der seine eigene Philosophie ständig kritisch prüft, bereichert und wirksam in der Öffentlichkeit darstellt. Wir wiederum können den Künstlern Einsichten vermitteln, dass das Angeln selbst eine Kunst sein kann, welchen Nutzen die Angelfischerei für die Natur und das Gemeinwohl hat, welche Konflikte sich jedoch daraus innerhalb der Gesellschaft sowie mit der Natur erge-ben und wie sie gelöst werden könnten.
Wir sollten dazu übergehen, interessierte Künstler einzuladen und mit ihnen ständig im Gespräch zu bleiben. Um die Partnerschaft zwischen Anglern und Künstlern zu fördern, soll im Ergebnis gemeinsamer Diskussion ein Kunstpreis des DAV gestiftet werden, der herausragende Leistungen bei der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Angelfischerei besonders würdigt.
2.5. Verhältnis zum VDSF
Hier haben wir in der Vergangenheit auf allen Gebieten klare Positionen erarbeitet, die auch in den nächsten Jahren gültig sind. Wenn beide Verbände ihren auch historisch gewachsenen Stärken verpflichtet bleiben und sie in Grundfragen zusammenarbeiten, dann können sie die Interessen ihrer Mitglieder und der gesamten Anglerschaft am besten vertreten. Dabei bietet sich u. a. insbesondere im Bereich Jugend und Sport eine engere und gleichberechtigte Zusammenarbeit an.
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