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Ökologische und ökonomische Probleme in der Seefischerei


Die Meere überfischt, der Meeresgrund durch schweres Grundgeschirr nachhaltig geschädigt, die Fangquoten für Dorsch und andere Fische deshalb gesenkt und die Fischer mit einem Jahresgewinn von zehn- bis fünfzehntausend DM durch die Ausweitung der Schutzgebiete und die Einschränkung der Fangmethoden gegängelt.

Nicht nur zwischen Anglern und Naturschützern sondern auch zwischen Küstenfischern und Naturschützern bestehen scheinbar unlösbare Interessenskonflikte. Zu Fragen der Fischerei und des Naturschutzes fand deshalb am 23. März in Stralsund ein Podiumsgespräch statt, das zu einer Problemlösung beitragen sollte. Symposien zu verschiedenen Problemen im marinen Bereich werden seit sechs Jahren vom Deutschen Meereskundemuseum Stralsund veranstaltet und erfreuen sich zunehmenden Interesses. Im Verlaufe der sieben Vorträge wurde sehr schnell klar, dass die Küstenfischer einem extremen ökonomischen Druck unterliegen. Dieser äußert sich u. a. im Sterben von Fischereibetrieben. So sind allein auf Rügen von den 1600 Berufsfischern vor der Wende gerade noch 600 Fischer übrig geblieben, von 14200 BRT Kutter noch knapp 7000 BRT. Die Kutter dieser Küstenfischer sind erheblich überaltert, eine Aufrüstung über 300 PS in Deutschland verboten.

Der Ehrenpräsident der Kutter- und Küstenfischer stellte das und viele andere Probleme dieses aussterbenden Berufes dar. Was soll z. B. die Reglementierung auf max. 300 PS bei den deut-schen Fischern, wenn in den gleichen Gewässern die dänischen Berufskollegen mit unbegrenzter Maschinenleistung fischen dürfen und deshalb Wettbewerbsvorteile bekommen? Wohl gemerkt, die deutschen Fischer wollen keine Fischerei mit stärkeren Maschinen, da diese Art der Fischerei mit schwerstem Gerät auch zu ökologischen Schäden in den Küstengewässern führt. Sie würden deshalb auch gern verstärkt mit passiven Fangmethoden wie Reusen, Stellnetzen und Langleinen fischen. Jedoch ist der Preis für Hering so niedrig, dass sich diese Art der Fischerei nicht lohnt. Wer weiß schon, dass das Kilo Hering, welches im Laden ca. 10 DM kos-tet, für den Fischer nur 30 Pfennig Erlös und noch viel weniger Gewinn erbringt!!!? Die Fanggebiete werden weiterhin durch einen unausgewogenen Naturschutz eingeschränkt. Der Einsatz von ökologisch alternativen, passiven Fangmethoden wie z. B. Langleinen wird durch das Verbot des Köderfanges hinten herum unterlaufen. Zu Recht fordert Herr Dr. Schlieker den Dialog der Naturschützer und Behörden in Mecklenburg-Vorpommern ein. Bislang werden die Fischer nicht gehört und alles getan, diesen Erwerbszweig aussterben zu lassen. Ein weiteres Beispiel: Die Fischer an der Küste fangen Fische im Wert von 20 Millionen DM je Jahr. Vom Kormoran werden im gleichen Zeitraum 8000 Tonnen Fische im Wert von 40 Millionen DM vernichtet. Deshalb, schützt diesen bedrohten wertvollen Vogel vor den Fischern und Anglern!!!

Auf den Symposium wurden von verschiedenen Vortragenden Lösungsvorschläge für den Erhalt der Küstenfischerei bei gleichzeitigem, ökologisch verträglichem Fischfang diskutiert. Der Dorsch in der Ostsee ist überfischt, die Fangquote muss deshalb drastisch gesenkt werden. Der Fang von Plattfischen mit dem Grundgeschirr führt vielerorts zu Schäden bei den Bodenlebewesen und den Habitaten und sollte durch andere Fangmethoden ersetzt werden. Die wichtigste alternative Fischerei wäre eine Hinwendung zur Heringsfischerei, die seit der Wendezeit trotz gutem Heringsbestand in der Ostsee auf ein Drittel gesunken ist. Dies lohnt sich für die Fischer jedoch nur, wenn sie ein wenig mehr für den Fisch bekämen. Zur Erzielung eines höheren Preises könnte z. B. ein zertifiziertes Produkt, hergestellt aus einem umweltschonend gefangenen, frischen Ostseehering, beitragen. Schon ein Mehrpreis von 5 bis 8 Pfennig je Heringskonserve könnte damit das Überleben dieses Berufszweiges sichern.

Wären wir bereit, diesen Preis zu zahlen, wenn wir wüssten, dass dieser Hering aus einer umweltverträglichen Fischerei kommt und durch die Tagesfischerei deshalb auch noch frischer als der Nordseehering ist???

Viele Diskussionen und Anstrengungen sind zu diesem Thema trotz des Symposiums in Stralsund noch von Nöten, auch gemeinsame konstruktive Diskussionen mit den radikalen Naturschützern, die endlich den Grundsatz "leben und leben lassen" beherzigen sollten.

Doch was hege ich nur für Hoffnungen...?
Da steht doch am Ende der Podiumsdiskussion eine Person auf und konstatiert, dass "die Fischer selbst an den wachsenden Kormoranbeständen schuld seien, da sie die gefangenen Plötzen wieder frei ließen" und in Richtung von Herrn Dr. Schlieker gewandt äußert er, dass ein Mensch, der Kormorane mit einem Lasergewehr verscheucht (wohl gemerkt, der Kormoran wird bei dieser Methode weder geschädigt noch getötet), auch in der Lage wäre, an der Essensausgabe einer Kantine Menschen Typhusbakterien ins Essen zu schütten....?

Und da soll ich noch hoffen ..., mir wurde speiübel, ich stand auf und verließ den Raum ............

Ihr Referent für Umwelt und Gewässer des DAV
Dr. Thomas Meinelt


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