Die Internationale Konferenz "Aktuelle Probleme des Schutzes aquatischer Ökosysteme", organisiert vom Tschechischen Anglerverband und weiteren Verbänden und Ministerien der Tschechischen Republik, fand vom 17. bis 19. Mai 2005 in Pruhonice in der Nähe von Prag statt. Der Präsident der European Anglers Alliance (EAA), Bernard Breton, nahm persönlich als Schirmherr an der Konferenz teil.
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Hauptschwerpunkt der Tagung war eindeutig der große Kormoran (Phalacrocorax carbo), seine Ausbreitung in Europa und die damit verbundenen Schäden in der heimischen Fischfauna. Der DAV war als einzige deutsche Vertretung mit einem Vortrag über die Kormoran-Verordnungen in den Bundesländern Deutschlands beteiligt (s. u.).
Die Kormoran-Population in Tschechien ist, wie in den meisten anderen europäischen Nationen, ständig ansteigend. Gegenwärtig wird der Kormoran-Bestand auf über eine Million Vögel in Europa geschätzt. Die Fischmasse, welche durch diese Vögel gefangen wird, übersteigt nicht nur den Fang der Berufsfischerei in Seen und Flüssen, sondern zusätzlich auch den Fang aller Angler! Mit der extremen Überpopulation verbunden sind beträchtliche, nachhaltige Schäden in den Fischpopulationen der betroffenen Gebiete.
In den Beiträgen der Teilnehmer aus verschiedenen Ländern (Tschechien, Slowakei, Frankreich, Ungarn, Deutschland) wurde deutlich, dass der ungerechtfertigte Schutz der Kormorane durch EU- und nationale Verordnungen in nahezu allen europäischen Nationen zu beträchtlichen Problemen führt. Einige Fischarten wie Äschen und Aale sind u. a. auch durch den Kormoran-Fraß von der Ausrottung bedroht. Eine Lösung des Kormoran-Problems wird deshalb nur durch koordinierte Aktionen auf EU-Niveau erfolgreich sein!
Der Kormoran breitet sich in Europa bei gleichzeitiger zahlenmäßiger Vergrößerung der Populationen immer mehr aus. Unterstützt wird der Ausbreitungserfolg der Kormorane durch Klimaveränderungen. Immer mildere Winter haben das Wanderverhalten der Kormorane verändert. Während sie früher Winterquartiere in mediterranen Regionen aufsuchten, verbleiben sie heute zumeist in Gebieten, in welchen die Flüsse nicht zufrieren, und verursachen dort speziell in den Salmoniden-Populationen extreme Schäden.
Im Zuge dieser Winterwanderungen werden Tschechien, die Slowakei und Ungarn durch Kormorane aus nördlichen Regionen heimgesucht. Allein der Schaden, den die Kormorane im Winter in der Slowakischen Republik verursachen, wird auf 10 Millionen Slowakische Kronen geschätzt. Auch die extremen Hochwässer der letzten Jahre haben das Wanderverhalten und die Verbreitung der Kormorane beeinflusst. So werden seit den Hochwässern zunehmend die großen Flüsse aufgesucht.
Die Verfolgung der Kormorane durch begrenzte Abschüsse in einigen Ländern hat bislang keine nachhaltigen Effekte erbracht. Die Anzahl der Kormorane kann durch Abschüsse nicht reduziert werden. Bedingt durch die Abschüsse ändern die Kormorane ihre Nistgewohnheiten. So wird eine Zunahme der Kolonien mit wenigen Vögeln und eine Abnahme der Kolonien mit vielen Vögeln beobachtet. Eine Reduzierung der Vögel kann nur durch intensive Eingriffe in die Brutkolonien erbracht werden. Dies ist jedoch gegenwärtig auf Grund verfehlter Kormoran-Politik der europäischen Vogelschutzpolitik nicht zu erreichen. In EU-Gesetzen wird diese Vogelart als bedroht geführt, obgleich sie in keiner Weise bedroht ist! Ein Hauptproblem ist die bewusst falsche Abschätzung der Populationsgröße der Kormorane in den verschiedenen Ländern. Durch Vogelschützer wird die Anzahl der ansässigen und durchziehenden Kormorane systematisch unterschätzt. In einigen Fällen wurde nur 1/100stel der wirklichen Kormoran-Zahlen als "offiziell" veröffentlicht. Erst durch intensive Mitbeteiligung der Fischer und Angler ist eine objektive Abschätzung der Anzahl der Kormorane und der durch diese Vögel verursachten Schäden möglich!
Kormorane fressen nicht nur Fische, sie verwunden auch eine Vielzahl an Fischen. Auf die tägliche, von den Kormoranen gefressene Futtermenge von 500 g Fisch je Tag und Vogel kommen weitere 400 bis 500 g besonders große Fische, welche durch die Vögel verwundet werden. Nachfolgend gehen diese Fische an sich ausbreitenden Nekrosen und Sekundärinfektionen zugrunde, wie dies aus Beiträgen deutlich wurde.
Die Natur ist definitiv nicht in der Lage, mit dem Problem der ausufernden Kormoran-Populationen umzugehen. Besonders in Teichen und strukturarmen Gewässern, in denen die Unterstände für die Fische fehlen, führt die kollektive Fischjagd der Kormorane zu extremem Stress für die Fische. Auch dieser Stress führt, neben den Verwundungen, zu einer weiteren Beeinträchtigung der Fischgesundheit, zur Einschränkung der Reproduktion und zu Verlusten.
Die Zusammensetzung der Nahrung der Kormorane ist inhomogen und von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Einige Ausführungen zeigten, dass Kormorane in großen regulierten Flüssen Döbel und Plötzen als Nahrungsspektrum präferieren, während sie in naturnahen Flüssen insbesondere die Äsche intensiv verfolgen. Auch saisonale Einflüsse auf das Nahrungsspektrum der Kormorane sind nachweisbar. So werden im Sommer von den Kormoranen Aale und im Winter Barsche bevorzugt gefressen. Dies ist bei der sommerlichen Abwanderung der laichreifen Blankaale besonders dramatisch und trägt deutlich zum Rückgang der Aalbestände bei. Schwarmfische wie Äschen, Plötzen, Barsche sind besonders gefährdet und tauchen deshalb besonders häufig in den Speiballen auf.
Andere Beiträge beschäftigten sich mit der Biologie und dem Verhalten sowie den Schäden zweier weiterer Fischräuber. Dies sind der Amerikanische Mink und der Fischotter. Die Otterpopulation in der Tschechischen Republik hat sich von 400 Individuen im Jahre 1990 auf 1500 Tiere 2003 erhöht. Otter, welche in den meisten Ländern geschützte Tiere sind, verursachen hauptsächlich in Teichwirtschaften und in Salmoniden-Gewässern Schäden. Während die Schäden durch Otter in natürlichen Gewässern im allgemeinen überschätzt werden, sind die durch den Amerikanischen Mink verursachten Schäden unterschätzt. So wurden die Krebspopulationen in einigen Bereichen Tschechiens beispielsweise über 50 % durch die Minks reduziert.
Alles in allem wurde deutlich, dass nur durch den Kormoran eine nachhaltige Beeinträchtigung der Fischpopulationen erfolgt; dies nicht nur über den direkten Fischfraß, sondern auch über eine Beeinträchtigung der Reproduktion der Fische durch Schädigung der Laichfische. Es ist höchste Zeit, dass auf EU-Ebene endlich reagiert und die Unterschutzstellung dieses Fisch-Parasiten im Namen unserer bedrohten Fischarten beendet wird!!!
Dr. Thomas Meinelt Referent für Umwelt und Gewässer
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