Offener Brief der Teilnehmer des "Tages des Vereinsvorsitzenden" an die Bundesverbraucherschutzministerin und den Bundesumweltminister
Paaren im Glien, 23. April 2005
Offener Brief zum Schutz des Europäischen Aals (Anguilla anguilla)
Sehr verehrte Frau K ü n a s t, sehr geehrter Herr T r i t t i n, wir, die Vereinsvorsitzenden des Deutschen Anglerverbandes, haben uns heute in Paaren (Land Brandenburg) zum "Tag des Vereinsvorsitzenden" zusammengefunden, um gemeinsam Erfahrungen auszutauschen und nach Lösungswegen für Probleme zu suchen, die uns allen sehr am Herzen liegen.
Unsere tägliche ehrenamtliche Arbeit zeigt deutlich, welch hoher Beitrag für das Gemeinwohl und insbesondere bei der Gestaltung eines interessanten kommunalen Lebens aus den Vereinen entspringt. Dabei tragen unsere Angelvereine zusätzlich zum Schutz der Natur bei. Gerade durch die Pflege der uns anvertrauten Gewässer und die Hege ihrer Tier- und Pflanzenwelt kommen uns Aufgaben zu, die wir gern und mit viel Fleiß erledigen.
Hierbei werden wir allerdings zunehmend vor Probleme gestellt, die nur mit gemeinsamen Anstrengungen und allseitiger Kompromissbereitschaft lösbar sind. Wir denken heute in erster Linie an den Rückgang des Aalbestandes in unseren Gewässern. Die offensichtlich notwendige Aufstockung des Laicherbestandes, an der wir nach Kräften und auch finanziellem Vermögen mitarbeiten wollen, kann allerdings nicht durch Fischer und Angler allein realisiert werden.
Wir halten es deshalb für unumgänglich, dass Sie jeweils in Ihrem speziellen Verantwortungsbereich entsprechende Maßnahmen kurz- und langfristiger Art aktiv fördern. Dazu gehört für uns die Aufstellung eines Managementplanes, der sowohl die Habitatsverbesserung, als auch die Gewährleistung der Durchgängigkeit der Wanderwege sowie die Stützung des Laicherbestandes enthält. Dabei vertreten wir die Meinung, dass ausreichend erwachsene Aale abwandern können müssen. Wir geben aber zugleich zu bedenken, dass nach neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen allein im Land Brandenburg jährlich 100 Tonnen Aal durch Kormorane vernichtet werden! Würde allein diese Zahl deutlich reduziert, könnte daraus die Biomasse der erwachsenen Aale gesteigert werden, die somit die Chance erhielten, abzuwandern und abzulaichen.
Wir halten insgesamt folgende fünf Punkte zum Schutz des Aales für zielführend: Die Abwehr des übermäßigen Fraßdrucks durch die Kormorane auf den Aalist über ein europa- und deutschlandweites Management bei Kormoranen zu sichern.Die Verbauungen in unseren Flüssen sind zu beseitigen bzw. durchgängig zu gestalten.Das Problem der Kleinwasserkraftwerke, deren Stromaufkommen überdies als nur "kosmetisch" anzusehen ist, ist über Einzelfallprüfung in Richtung pro Aal zu überdenken.Der Laicherbestand beim Aal ist ferner durch gezielte Besatzmaßnahmen und Förderung über Bund, Länder und EU deutlich aufzustocken.Bei allen Verhandlungen mit der EU über Schutz und Förderung der Aalbestände in den europäischen Gewässern ist die EU ultimativ aufzufordern, die verfestigten Strukturen des Glasaal-Fangs und -Verkaufs mit dem Ziel aufzubrechen, dass zuerst der notwendige Besatz für die Gewässer und Aquakultur in Europa beirealen Preisen abzusichern ist. Wir gehen davon aus, dass Ihnen diese Probleme bekannt sind und dass es hierfür keine pauschalen Lösungen geben kann. Wir bitten Sie daher, Ihre Möglichkeit als Minister auszuschöpfen, damit wir gemeinsam einvernehmliche Lösungen finden können, die für uns zugleich Maßnahmen zur wissenschaftlichen Forschung über die Ursachen des Aalrückgangs beinhalten müssen.
Sie, sehr verehrte Frau Bundesministerin, und Sie, sehr geehrter Herr Bundesminister, können davon ausgehen, dass wir als Angler zu jeder Zeit einem realistischen Naturschutz verpflichtet waren, sind und bleiben werden.
Im Namen der heute versammelten Vereinsvorsitzenden
Bernd Mikulin Präsident des Deutschen Anglerverbandes
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