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DAV Nachricht 07/2005

Berlin, 7. November 2005

5. Internationales Rheinsymposium: Fischwanderung

Auf dem Symposium, das vom 2. bis 4. November 2005 in Bonn stattfand, informierten sich etwas 300 Experten und Interessierte aus 14 Staaten über das Thema „Fischwanderung in großen europäischen Gewässersystemen“. Das Rheinsymposium wurde von der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) gemeinsam mit dem deutschen Bundesumweltministerium und dem nordrhein-westfälischen Umweltministerium veranstaltet. Es sollte Wege für künftige Gewässerschutzmaßnahmen in Europa aufzeigen. Die Anfang 2005 fertiggestellte Bestandsaufnahme aller Gewässer im Rhein-Einzugsgebiet hat deutlich gemacht, so der nordrhein-westfälische Umweltminister Eckhard Uhlenberg, dass der Rhein selbst und viele seiner Zuflüsse verändert sind, insbesondere weil sie durch Wehre und Wasserkraftanlagen unterbrochen und somit für Fische nicht oder nur noch streckenweise durchgängig sind.

Seit 1988 läuft am Rhein die Wiedereinbürgerung für Wanderfische mit dem Lachs als Symbol für derartige Programme. Die bisherigen Ergebnisse: Mehrere hundert Lachse kommen jährlich in das Rheingebiet zurück. Sie sensibilisieren die Öffentlichkeit für die Bedeutung barrierefreier, möglichst naturnaher Fließgewässer und zeigen, wie wichtig wasserbauliche Fischaufstiegshilfen wie z. B. Fischpässe sind. Ein Beispiel dafür ist der Fischpass in Iffezheim (Nähe Baden-Baden) am Oberrhein, in dem seit Mitte 2000 Tausende von Fischen aufgestiegen sind. Der zweite große Fischpass am etwa 25 km stromaufwärts gelegenen Wehr Gambsheim steht kurz vor der Fertigstellung und soll im März 2006 in Betrieb gehen. Noch ist der Lachs im Rheingebiet nicht wieder heimisch. Er kann sich noch nicht durch natürliche Vermehrung selbst erhalten. Für geraume Zeit wird daher weiterhin menschliche Hilfe durch unterstützende Besatzmaßnahmen erforderlich sein.

Viele Maßnahmen zur Verbesserung der Fischwanderung, insbesondere für den Aufstieg, sind seit 1988 realisiert worden, weitere sind erforderlich. Das Problem der Verletzung und Tötung von Fischen beim Abstieg infolge fehlender Schutzvorrichtungen bei Wasserkraftanlagen (WKA) muss gelöst werden. Es ist erst seit jüngerer Zeit in den Blickpunkt gerückt – seine Bedeutung ist aber nicht minder wichtig, denn der Tötungsfaktor ist bei den einzelnen Fischarten recht unterschiedlich. Bei Smolts töten WKA je nach Ausstattung 5 bis 100 Prozent und bei Aalen zwischen 40 und 100 Prozent der Fische. Dabei besteht ein riesiges Problem, denn die Tötungsraten addieren sich von WKA zu WKA. Es grenzt also an ein Wunder, wenn nach 10 Wasserkraftanlagen noch ein Fisch mit dem Leben davonkommt! „Natürlich“ bestritten die WKA-Vertreter diese Tatsache. Selbst die gemeinsame Pressemitteilung vom Bundesumweltministerium, vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium und von der IKSR „mogelte“ sich an diesem himmelschreienden Zustand vorbei. Dabei ist zu bemerken, dass, je kleiner die WKA-Kapazität ist, umso größer die ökologischen Probleme sind. Von diesen Anlagen gibt es nach unterschiedlichen Angaben zwischen 5.000 und 7.000 in Deutschland, allein im Rhein-System rund sind es 2.000.

Die Experten diskutierten in Bonn über diese bestehenden Probleme und über Lösungswege zur Überwindung der Fischwanderhindernisse. Die gewonnenen Erkenntnisse werden dazu beitragen, durch das europäische Wasserrecht geforderte Maßnahmen umzusetzen, mit denen bis 2015 ein guter ökologischer Zustand oder ein gutes ökologisches Potenzial in allen europäischen Gewässern erreicht werden soll. Insgesamt wurde im Symposium formuliert, dass bei Gewässern mit gutem ökologischen Zustand die Verlustrate 25 Prozent nicht übersteigen darf!

Eine offene und problembewusste Zusammenarbeit zwischen den Wasserwirtschafts-, Fischerei- und Naturschutzbehörden und den Kraftwerksbetreibern sowie dem ehrenamtlichen Fisch- und Naturschutz ist nach Meinung der Veranstalter der Schlüssel zu einer nachhaltigen Entwicklung des Rheins und aller ihm zufließenden Gewässer. Das ergab u. a. auch das Streitgespräch zum Abschluss des Symposiums, bei dem noch einmal alle Beteiligten zu Worte kamen.

Sicher ist es für jeden klar, dass 30 Fachvorträge und die dazugehörigen Diskussionen an zwei Tagen ein gutes Stück Arbeit sind – ebenso verständlich ist es dabei sicher auch, dass die Teilnehmer je nach Sicht der Dinge für sich spezielle Anregungen mit nach Hause nahmen.

Ich fügte in meinem Tagungs-Programm bei folgenden Beiträgen ein Ausrufungszeichen an:
Eckhard Uhlenberg, Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, in Verbindung mit dem Vortrag von Ullrich Dumont „Umfassende Strategien für die Durchgängigkeit“ und dem „Handbuch Querbauwerke“ (Herausgeber: Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, ISBN 3-9810063-2-1)
Dr. Helmut Blöch „Durchgängigkeit von Fließgewässern – ein wichtiges Element der europäischen Wasserpolitik“

Dr. Armin Peter „Kriterien für ökostromzertifizierte Wasserkraftwerke – Ökolabel“

Wir werden uns bemühen, dazu zusätzliche Informationen im Internet zu veröffentlichen.

Zum Abschluss der Konferenz hatten die Symposiums-Teilnehmer am 4. November Gelegenheit, sich bei zwei Exkursionen von der Effizienz der in den letzten 15 Jahren realisierten Maßnahmen an der Sieg und an Wupper/Dhünn zu überzeugen. Das Sieg-System ist heute wieder auf über 100 km fischpassierbar.

Im Bruthaus des SAV Bayer Leverkusen sahen wir Lachse, die an der Kontrollstelle Auermühle gefangen worden waren. Seit Beginn des Lachsaufstiegs Anfang Oktober 2005 konnten bis 28. Oktober an der Sieg (Nähe Siegburg) 102 Lachse und 9 Meerforellen, am Aggerwehr in Troisdorf 15 Lache und 9 Meerforellen und an Wupper/Dhünn 12 Lachse registriert werden.