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„Der unterschätzte Angler – Zukunftsperspektiven für die Angelfischerei in Deutschland“
von Robert Arlinghaus
Welche Bedeutung hat der Angler in der Gesellschaft? Wie ordnet er sich ein, wie sieht er sich selbst und vor allem, wie sieht die Gesellschaft in Deutschland den Angler? Wird sie seiner Bedeutung für Gesellschaft und Natur gerecht? Nun, da Arlinghaus die sozioökonomische Bedeutung der Angelfischerei in Deutschland bereits schon vor einigen Jahren in verschiedenen Publikationen ausgebreitet hat, erweitert der Autor seine Betrachtungen zur Angelfischerei in Deutschland und zur Stellung des Anglers in unserer Gesellschaft. In populärwissenschaftlicher Weise werden auf 169 Seiten Fragen aufgeworfen, viele, wenn auch nicht alle, beantwortet, oft jedoch mögliche Lösungswege aufgezeichnet.
Einige dieser Fragen möchte ich andeutungsweise aufgreifen und versuchen, Ihnen diese interessante Problematik ein wenig schmackhaft zu machen. So ist z. B. die Analyse des Disputes zwischen der anthropozentrischen (menschorientierten) Anglerschaft und der ökozentrischen (naturorientierten) „Teil“-Gesellschaft unserer „ökologelnden“ Mitmenschen ein Genuss. Auch die momentan immer intensiver geführte Diskussion zur Auslegung des Tierschutzgesetzes mit allen seinen negativen Folgen für unsere Fischpopulationen und die Angelfischerei in Deutschland wird im Gegensatz zur Argumentation anderer Vertreter vom Autor sachlich und fachlich fundiert geführt. Selbst der von der „ökologelnden Teilgesellschaft“ scheinbar gepachtete Begriff der Nachhaltigkeit wird hervorragend knapp auf den anglerischen Verständnis-Punkt gebracht und wie folgt erklärt: „Nachhaltig ist ein System dann, wenn es fortdauert. ... die Angelfischerei ist demnach nachhaltig, wenn sie als Freizeitaktivität im Einklang mit anderen gesellschaftlichen Interessen erhalten bleibt.“
Wir Angler leben in einer Naturlandschaft und sind berechtigte Nutzer dieser anthropogen veränderten Natur. Uns von der Natur auszuschließen, wäre nicht nur zu unserem Schaden ... Wussten Sie, dass in Deutschland lediglich Fußball und Tennis eine höhere Popularität besitzen als das Angeln!? Grundsätzlich trägt das Angeln zur Befriedigung verschiedenster kultureller, sozialer, psychologischer und physiologischer (Entspannung) Bedürfnisse breiter Bevölkerungsschichten und somit zur Ausbildung sozialer Bindungen bei. Überlegungen, die das Angeln ablehnen, weil die Freizeitaktivität Angeln nicht unmittelbar zum Überleben der Art Mensch beiträgt, sind deshalb fehl am Platz. Immerhin besitzt aber ein Viertel der Bevölkerung negative Einstellungen zum Angeln! Ist dies nur auf Verleumdungskampagnen von PETA und Co., oder eventuell sogar auf das Gebaren von einigen von uns zurückzuführen!?
Angler erbringen nicht nur ökonomischen, sondern auch ökologischen Nutzen, z. B. als Bewirtschafter und Wächter über die Gewässer, als Gewässer-Renaturierer genauso wie als „Müllentsorger“. Wir tun dies im Ehrenamt und finanzieren diese Maßnahmen noch aus unserer eigenen Tasche! Da die Qualität unseres Angelerlebnisses direkt vom Zustand der Gewässer abhängig ist, kann das sozial-ökologische System Angelfischerei als ein Vorzeigebeispiel für den Gesellschaftsauftrag der Nachhaltigkeit schlechthin gelten, und sucht in unserer Gesellschaft seinesgleichen.
Andererseits haben wir Angler als „oberster Räuber“ in der Nahrungskette der Gewässer auch starken Einfluss auf die Fischbestände, speziell die der Raubfische, den wir oft nicht erkennen und manchmal auch nicht anerkennen (wollen)! Arlinghaus beweist uns, dass der Besatz mit Fischen kein Allheilmittel sein kann, um Fischbestände zu erhalten. Auch eine Reduzierung des Fischereidrucks auf sensible Bestände, die Einführung von Höchstmaßen und weitere Schonmaßnahmen müssen wir lernen zu akzeptieren, wenn wir spezielle Gewässer und Fischbestände erhalten wollen. Aber auch die von offizieller Seite verpönten und sogar strafrechtlich verfolgten Put-and-take-Teiche (unter Anglern auch als „Angelpuffs“ in Rede) helfen, den Angeldruck auf andere, sensible oder überfischte Gewässer zu reduzieren und sind somit ein wichtiges, probates Hilfsmittel für eine nachhaltige Nutzung unserer natürlichen Gewässer. Insofern würde ich auch so manchem selbsternannten Natur- oder Tierschützer empfehlen, den logischen Schlussfolgerungen des Autors zu folgen, und wenn es nur dazu diente, ihre Argumentation endlich auf eine sachliche Basis zu stellen.
Die Gewässer, wie alle natürlichen Systeme sind in einem ständigen Fluss, in ständiger Veränderung begriffen. Die Naturschützer, aber auch wir Angler, müssen dies begreifen und mit entsprechenden Management-Maßnahmen und mit unserem Verhalten darauf reagieren, um in Zukunft die Gewässer weiter nutzen, d. h. weiter angeln zu können. Und, Management heißt bei uns Anglern nicht nur Management der Gewässer, sondern vor allem das Management der angelnden Menschen, der Einsichten der Angler, des Angelaufwandes und der Angelmethoden. Eine weitere dringende Managementvoraussetzung ist die Erhebung von Daten aller Art, zu unseren Gewässern genauso wie zu uns und unserem Hobby. Hier muss von der Fischereiwissenschaft, besser noch von der Angelfischereiwissenschaft noch einiges geleistet werden.
Arlinghaus ist einer der wenigen Angelfischereiwissenschaftler in Deutschland. Obgleich ein engagierter Angler, argumentiert er in seinem Buch nicht als Lobbyist. Dem angelnden Angelfischereiwissenschaftler ist es gelungen, diese teilweise zäh erscheinende Wissensmasse so aufzubereiten und darzustellen, dass der Stoff Lust auf ein Weiterlesen macht. Anschauliche Grafiken und nette Bildchen lockern auf und verdeutlichen das Gedruckte. Wir Angler bekommen in „Der unterschätzte Angler“ einen Spiegel vorgehalten, der uns und unser Verhalten wie auch die Resonanz der Gesellschaft aus verschiedenen Seiten reflektiert. Ich empfehle Ihnen allen das Buch auf das Wärmste und verbleibe mit einem
Petri Heil.
Euer
Dr. Thomas Meinelt
Referent für Umwelt und Gewässer
Das Buch „Der unterschätzte Angler – Zukunftsperspektiven für die Angelfischerei in Deutschland“ von Robert Arlinghaus ist im Kosmos-Verlag (2006); ISBN-13:978-3-440-10556-6 erschienen.