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DAV Nachricht 12/2007

für die verantwortungsvolle Freizeitfischerei (Code of Conduct for Responsible Recreational Fisheries - CoC) erarbeitet


 

Weltweite Verhaltensregeln

Auf einer FAO (Food and Agriculture Organisation der UN) Tagung im Jahre 1995 verabschiedeten 170 Mitglieder eine Richtlinie, die die Prinzipien, Richtlinien und internationalen Standards einer weltweiten kommerziellen Fischerei unter Berücksichtigung der guten fachlichen Praxis, der Nachhaltigkeit, der Schonung der Ressourcen sowie der Entwicklung der Ökosysteme und der Biodiversität regelt. Diese Richtlinie war eine längst fällige Antwort auf die dramatische Abnahme der Fischbestände u. a. durch die Überfischung der Weltmeere und die Zerstörung von Lebensräumen der Fische. Dieser Regelung „Code of Conduct for Responsible Fisheries“ (Verhaltungsregeln für eine verantwortungsvolle Fischerei, CCRF), deren Umsetzung in einer Vielzahl von technischen Richtlinien konkrete Gestalt annahm, sollten unmittelbar gleich lautende Verhaltungsregeln für die Freizeitfischerei folgen! Allein die Mühlen der Behörden mahlen langsam. So hat es schließlich 12 Jahre gedauert, bis dem Beschluss der FAO endlich auch die Umsetzung einer CoC in der Freizeitfischerei folgte. 1996 durch die EIFAC (European Inland Fisheries Advisory Commission) initiiert, nahm der einzige deutsche Angelfischereiprofessor und Vorsitzende der EIFAC-Arbeitsgruppe „Recreational Fisheries“, Robert Arlinghaus, 2007 endlich die Erarbeitung eines Entwurfes für diesen „CoC for Recreational Fisheries“ (Verhaltungsregeln für die Angelfischerei) in die Hand und legte diesen Entwurf den Angelorganisationen weltweit zur Begutachtung und Mitarbeit vor. Eine Kommission von 30 Mitgliedern aus 14 Teilnehmerstaaten, der FAO und der EIFAC diskutierte diesen Entwurf auf einem Arbeitstreffen, welches vom 4. bis 6. November 2007 in Bilthoven (Niederlande) auf Einladung des Niederländischen Sportanglerverbandes stattfand. Deutschland war durch Robert Arlinghaus und Thomas Meinelt vertreten.

Manch einer mag jetzt fragen, “Muss denn schon wieder ein Papier erarbeitet werden, welches ja sowieso keiner liest!?” Unbedingt ja! Einer der Hauptgründe für die Erarbeitung dieses CoC ist die Notwendigkeit für die Angler und Anglerverbände auf sich aufmerksam zu machen und den ihnen gebührenden Platz in Politik und Fischerei einzufordern! Politisch und in den Organisationen, die sich mit der Fischerei beschäftigen, ist nämlich noch immer nicht angekommen, dass der Freizeitfischerei ökonomisch, sozial und in vielen anderen Bereichen eine zunehmende Bedeutung zukommt! Die Gründe für die Ignoranz der durchaus berechtigten Anglerinteressen sind vielfältig. Ein Grund mag in der traditionellen (Über)Bewertung der Berufsfischerei zu sehen sein. Aber auch der einseitige Blick auf den „Angelkarten/Bootsliegeplatzhorizont“, der, so sagt man, unter manchen Anglern noch weit verbreitet sein soll, mag sein Scherflein dazu beitragen …

Der international bekannte Angelwissenschaftler Ian Cowx vom Hull International Fisheries Institute hat die unterschätzte Bedeutung der Angelfischerei in seinem Einführungsvortrag ein wenig ausführlicher erläutert. Hier mal einige Zahlen und Fakten, die die weltweite Bedeutung der Angelfischerei hervorheben sollen.

Weltweit werden durch die Angler jährlich ca. 2 Millionen t Fisch gefangen (Coates 2001). In 2900 Unternehmen der Angelgerätehersteller sind weltweit 60.000 Arbeitsplätze mit einem Umsatz von 5 Milliarden € (Angelgeräte) direkt mit der Angelfischerei verbunden.
25 Million Freizeitangler repräsentieren 6.5 % der EU-Bevölkerung und investieren jährlich insgesamt 25 Milliarden € in ihr Hobby. Nur zum Vergleich, der Gegenwert der Fischimporte der EU beläuft sich auf 24 Milliarden € und die Fischereiexporte auf nur 13 Milliarden €.
Aber auch in den USA gaben im Jahr 2001 44 Millionen Angler 42 Milliarden $ aus. Der ökonomische Gegenwert der Angelei betrug dort 116 Milliarden $ (Quelle: National Survey of Fishing, Hunting and Wildlife-Associated Recreation 2001).
In Neu Seeland z. B. werden 900 $ und in Australien 1000 $ pro Angler und Jahr für ihr Hobby aufgewendet.


Diese Bedeutung wird aber durch die Politik immer noch nicht beachtet. Die CoC für die Angelfischerei wird von den Politikern wahrgenommen werden müssen, denn ein FAO-Dokument kann man nicht einfach so vom Tisch wischen wie die Anfrage eines einzelnen Anglers.

In acht Arbeitsgruppen, die 14 Themengebiete intensiv diskutierten, wurde die Vorlage für die CoC überarbeitet und präzisiert, so dass heute ein Dokument vorliegt, welches 2008 auf einer EIFAC-Tagung als Vorlage zum Beschluss vorliegen wird. Falls die Teilnehmer der EIFAC-Tagung die Annahme des Entwurfes beschließen, wird der CoC des FAO zur Umsetzung vorgelegt. Dieser CoC, dessen Umsetzung auf rein freiwilliger Basis geschieht, ist beileibe nicht als Gängelband oder weiteres Korsett für die Angelei anzusehen, sondern er stellt eine Handlungsrichtlinie dar, welche praxisnahe Verhaltensregeln in verschiedenen Bereichen der Angelfischerei vorschlägt und gleichzeitig die Bedeutung der Freizeitfischerei hervorhebt. Sie wird den Umgang mit den einzelnen Interessensvertretern ebenso regeln wie den Umgang mit der Kreatur. Wir werden den Text des CoC for Recreational Fisheries nach seiner Ratifizierung an dieser Stelle ausführlicher darstellen.
Dr. Thomas Meinelt
Referent für Umwelt und Gewässer

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