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DAV Nachricht 07/2007

Berlin, 20. März 2007

Wasser - unentbehrliche Grundlage des Lebens

Gedanken zum diesjährigen Weltwassertag am 22. März 2007

Ohne Wasser gibt es weder pflanzliches noch tierisches Leben auf unserem Planeten. Für den Menschen ist Wasser das wichtigste Lebensmittel. Der Tod durch Verdursten tritt viel schneller ein als der Tod durch Verhungern. Gute hygienische Verhältnisse und gesundheitliches Wohlergehen sind nur dort gegeben, wo ausreichend sauberes Wasser vorhanden ist. Täglich sterben 6.000 Menschen durch verschmutztes Wasser. Wasser wird zur Erzeugung aller landwirtschaftlichen Produkte benötigt, weltweit entfallen auf die Landwirtschaft etwa 70 % des gesamten Süßwasserverbrauchs. Wasser ist in beträchtlichem Umfang aber auch für gewerbliche und industrielle Zwecke erforderlich.

Zur Befriedigung der Bedürfnisse der Menschheit ist in erster Linie Süßwasser von Bedeutung. Nur 3 % des Wasservorkommens der Erde liegen allerdings in Form von Süßwasser vor (davon zwei Drittel als Eis). Die Entsalzung von Meerwasser ist heute zwar in größerem Umfang technisch möglich, erfordert aber einen hohen Energieaufwand und ist insbesondere für ärmere Länder, wo Mangel an Süßwasser besonders ausgeprägt ist, noch zu teuer.

Mit der weiteren Zunahme der Weltbevölkerung und der Verbesserung der Lebensbedingungen in vielen Gebieten wird der Wasserbedarf deutlich ansteigen. Als äußerst problematisch ist anzusehen, dass das Wasser auf der Erde sehr ungleich verteilt ist. Im Jahr 2005 hatten 1,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 800 Millionen Menschen leiden gegenwärtig an Unterernährung. Um ihnen ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung stellen zu können, wird für Bewässerungszwecke erheblich mehr Wasser benötigt als heute. Zur Lösung der vorhandenen Probleme müsste in den nächsten 25 Jahren die weltweite Nahrungsmittelproduktion um etwa 40 % erhöht und gleichzeitig der landwirtschaftliche Wasserverbrauch um 10 bis 20 % gesenkt werden. Die größten Defizite bestehen in dieser Hinsicht in Südasien und Teilen Afrikas. Leider muss gegenwärtig schon davon ausgegangen werden, dass das Millenniumsziel, die Zahl der Hungernden im Zeitraum von 1990 bis 2015 zu halbieren, wahrscheinlich nicht erreicht werden kann. Während die USA bisher 360 Milliarden Dollar für den Irakkrieg ausgegeben haben, beträgt das Jahresbudget des afrikanischen Staates Niger z. B. nur 320 Millionen Dollar.

Es wird befürchtet, dass es am Ende dieses Jahrhunderts durch Klimawandel zu Ökosystemschäden in vielen Regionen und zum Verlust an Biodiversität kommt. Wenn künftig ein Klimawandel im Sinne einer globalen Erwärmung eintreten sollte (manche Anzeichen deuten darauf hin), wird sich der Wasserkreislauf intensivieren. Eine höhere Verdunstung führt zu größeren Verdunstungsverlusten und zu einem erhöhten Bewässerungsbedarf. Regional werden stärkere Niederschläge prognostiziert, in bestimmten Gebieten kann es aber auch beträchtlich trockener werden. Das wird die heute bereits vorhandenen Schwierigkeiten noch vergrößern. Hitzeperioden, Überflutungen und Dürrephasen werden zunehmen. Konkurrenz um Süßwasser kann zunehmend politische Konflikte hervorrufen oder bereits bestehende vertiefen.

Für die Zukunft ergeben sich daher im Weltmaßstab wichtige Aufgaben:

Die ausreichende Versorgung aller Menschen mit sauberem Trinkwasser muss erreicht werden. Dadurch wird sich auch die gesundheitliche Situation in vielen Regionen verbessern.Die Landwirtschaft muss mit möglichst geringem Wasseraufwand mehr Nahrungsmittel produzieren. Durch Beseitigung des Hungers lassen sich auch gravierende soziale und ökonomische Unterschiede verringern.
Binnenfischerei und Aquakultur als Teile der Landwirtschaft können nur dort betrieben werden, wo entsprechende Wasservorkommen vorhanden sind, die für diese Zwecke verwendet werden können. Dabei sollte allerdings auch in Mitteleuropa ressourcenschonend mit dem Wasser umgegangen werden, und für die Erhaltung oder Wiederherstellung einer guten Wasser- und Gewässerqualität sind alle Kräfte einzusetzen. Diesem Ziel dient auch die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. Wenn Angler ihre Freizeit am Gewässer verbringen, sollten sie sich immer klar machen, dass es sich beim Angeln um ein privilegiertes Hobby handelt. Im Weltmaßstab gesehen ist der Reichtum an Binnengewässern, wie wir ihn gerade in vielen Regionen Deutschlands haben, ein Geschenk, das geachtet und geschützt werden muss.

Landwirtschaft und Fischerei haben entscheidende Gemeinsamkeiten aufzuweisen. Sie nutzen Boden- und Wasserflächen zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, produzieren darüber hinaus noch weitere Rohstoffe und leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege unserer Kulturlandschaft. Agrar- und fischereiwissenschaftliche Forschung und Lehre haben in Deutschland eine lange Tradition. Gut ausgebildete Fachleute auf diesen Gebieten werden nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auf der ganzen Welt benötigt. Wissenschaftliche Institute und Lehreinrichtungen dürfen daher in ihrer Kapazität nicht immer weiter reduziert werden.

Es ist deswegen völlig unverständlich, dass der Wissenschaftsrat entgegen früheren Stellungnahmen kürzlich die Empfehlung gegeben hat, die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität ab 2009 zu schließen. Hier werden seit 125 Jahren hoch qualifizierte Fachleute für Landwirtschaft und Fischerei ausgebildet. Seit über 50 Jahren gibt es an der Fakultät einen für Deutschland einmaligen fischereiwissenschaftlichen Studiengang. Sein Wegfall würde einen schweren Verlust bedeuten, der eine weitere Reduzierung der bereits jetzt sehr begrenzten wissenschaftlichen Kapazität auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik Deutschland zur Folge hätte. Es müssen daher alle Möglichkeiten genutzt werden, um die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität mit ihrem Studiengang Fischwirtschaft und Gewässerbewirtschaftung zu erhalten.

Prof. Dr. Werner Steffens

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